herrwolke

Urbane Kommunikationsprothesen

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Der Kampf um territoriale Nutzungshoheiten im öffentlichen Raum gehört zu den Alltagserfahrungen, mit denen der Stadtbewohner wohl vertraut ist: Der von Autos zugeparkte Fahrradweg oder der ausweichunwillige Fußgänger-Gegenverkehr sind dabei geradezu Klassiker. Zu den Standards gehören aber auch die allseits geschätzte Außengastronomie, die im Laufe eines Sommers komplette Gehwege Tisch für Tisch in Beschlag nimmt, oder Radfahrer, die grundsätzlich nicht bereit sind, für Fußgänger auf Zebrastreifen zu bremsen, und die selbst wiederum in für sie freigegebenen Einbahnstraßen von Autofahrern als lästiges Freiwild betrachtet werden. Vor allem die fortgesetzte Privatisierung und Kommerzialisierung öffentlicher Flächen und Räume provoziert jedoch zunehmend Gegenreaktionen.
Ein Beleg dafür sind die Urbanen Kommunikationsprothesen, die Micheal Konstantin Wolke kreiert hat, um sich im Wettbewerb der Besitzverhältnisse einen kleinen Vorteil zu verschaffen. Der unter dem Label herrwolke firmierende Berliner Designer entwirft bedruckte Gummi-Teppiche, die auf Straßen und Plätzen zum Verweilen, miteinander Reden oder Spielen einladen. Er hat verschiedene Modelle in den Maßen 340 x 250, 500 x 150 und (im Durchmesser) 250 Zentimeter gestaltet: eine blaue Rennbahn, eine grau-weißer Zebrastreifen, ein grünes Spielfeld, ein weiß auf grau gezacktes Parkverbot, ein roter Spielkreis und eine weiß auf grau gestreifte Sperrfläche. Wolkes Intention ist die Herstellung von „Stadtwerkzeugen, die zwischen Menschen und Stadtraum vermitteln. Sie bieten eine schnelle und reversible Möglichkeit, Orte durch temporäre Interventionen zu verändern. Ziel ist die nichtkommerzielle Rückeroberung und Wiederbelebung verloren gegangener öffentlicher Orte für die Stadtbevölkerung.“

Anlässlich von plan12 werden die mit Unterstützung der Firma Kraiburg Relastec und des Design Quartier Ehrenfeld DQE entstandenen Gummi-Teppiche täglich gemeinsam mit Christoph Erxleben und Arthur Lingk am Alpenerplatz (siehe Projekt 18) inszeniert und stehen für die freie Nutzung zur Verfügung.

Außerdem findet am 22. September in Kooperation mit der Ehrenfelder Yogaschule Ashtanga Connection eine Urban Yoga-Aktion statt, bei der die Urbanen Kommunikationsprothesen als Matten genutzt werden – und zu der alle Interessierten zum Mitmachen eingeladen sind.

 

Prostheses for urban communication The struggle for territorial supremacy of usage in the public space is an everyday experience familiar to city dwellers: the bicycle path blocked by parked cars or unyielding oncoming pedestrian traffic are classics in this respect. But the standard repertoire also includes the universally welcomed outdoor restaurant that, table by table, conquers an entire pavement during the course of a summer; or the cyclists who simply refuse to brake for pedestrians in zebra crossings and whom car drivers consider a tiresome form of wild game on one-way streets on which cyclists have been granted permission to pedal in the direction opposite to oncoming cars. The continued privatisation and commercialisation of public areas, however, provokes increasing counter-reactions. A document of this are the prostheses for urban communication created by Michael Konstantin Wolke as a way to gain a slight upper hand in the competition for ownership. The Berlin designer, doing business under the 'herrwolke' label, designs printed rubber mats that invite others to pause, converse or play on the streets and squares where the mats are placed. He has come up with a variety of models in the dimensions of 340 x 250, 500 x 150 and (in circumference) 250 centimetres: a blue race track, a grey-and-white zebra crossing, a green playing field, a zigzag white-on-grey no-parking road marking, a red playing circle and a striped, white-on-grey restricted area. Wolke's intention is to produce 'urban tools that mediate between people and the urban space. They offer a quick and reversible opportunity to change places through temporary interventions. The aim is a non-commercial reclaiming and revival of public places that have gone missing for the urban populace.'

At plan12, the rubber mats produced with the support of the Kraiburg Relastec Company and the Design Quartier Ehrenfeld DQE will be presented daily by Christoph Erxleben and Arthur Lingk at Alpenerplatz (see Project 18) and will be freely available for use.

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